| Sziget Fesztivál 2011 - Prince rockt die Insel & schlägt alles bisher Dagewesene
Wir sind natürlich wieder im Lande, und diesmal habe ich nach einem Urlaub die Bilder bereits bearbeitet und sortiert - weil nicht so viel dran zu bearbeiten war, vermutlich. Bin immer wieder erstaunt, was Nilsens kleine Lumix doch so hinkriegt. Wenn sie noch das Rauschen bei Nachtaufnahmen in den Griff kriegen würden, wäre diese Kleine perfekt für Spontanbilder und zum Immerdabeihaben! Aber kommen wir mal zu der Frage, die alle brennend interessiert: Wie war´s? Die Hinfahrt war recht ungemütlich, durch Österreich durch hatten wir viel Regen. Irgendwie kann ich mich an die Fahrt kaum noch erinnern. Vermutlich, weil ich das verdrängt habe - gut, war ja auch bloß Autobahn, nix Interessantes. In Hallein bei Salzburg haben wir Salzburger Nockerln gegessen - die ich auch mal selbst probiert habe zu machen, vor Jahren - aber mir ist natürlich alles zusammengefallen, nachdem ich es aus dem Backofen raus hatte. Ich frage mich, ob ich die wohl jetzt hinbekommen würde... Der nächste Stopp war unser altbekannter Campingplatz am Balaton mit dem leckeren Freiluft-Restaurant nebenan. Der Weg dorthin wurde dann wiederum ganz schön warm. Die Campingplatzleitung hat sich in der Zwischenzeit leider entschieden, den direkten Durchgang vom hinteren Ende des Platzes, wo wir immer zelten, zum Restaurant, zuzusperren - vielleicht sind sie zu oft betrogen worden. So mussten wir gaaaaaanz außenrum latschen. Aber wir hatten natürlich wieder unser traditionelles oginol Wiener Schnitzel aus Kalbfleisch - und diesmal waren auch nicht so viele Stechmücken unterwegs.
Nach Budapest ist es von dort aus nicht mehr weit - besonders, wenn man sich eine Autobahnvignette gönnt. War trotzdem ganz schön warm, die Fahrt! Nach dem Zeltaufbau, der Beschaffung und Betankung des lokalen Zahlungsmittels, der Sziget Fesztival Card, dem Sziget Citypass, mit dem wir kostenlos die Öffis benutzen und (!!!) in die Bäder konnten, und einem gemütlichen ersten Festival-Bierchen gings mit dem Schiff in die Stadt. Eigentlich wollten wir in unser Budapester Stammlokal, das schottische Pub Kaledonia, aber als wir dort ankamen, standen wir leider vor verschlossenen Türen: Es wurde renoviert! Oh noez! Aber ein Zettel an der Tür verriet uns, dass es in zwei Tagen wieder eröffnen sollte. Puh, was für ein Glück! Also fuhren wir erstmal wieder zum Donaukorso in die Innenstadt und setzten uns dort in ein Restaurant mit Außenbereich. War zwar nicht dasselbe wie lecker Haggis essen, aber auch ganz nett. Auf dem Rückweg mussten wir leider sehr, sehr lange auf das Schiff warten... Mit uns warteten noch etliche andere, und besonders fies war, dass es an diesem Abend noch ziemlich kalt war und hier an der Donau der Wind empfindlich pfiff. Wir hatten wenigstens Jacken dabei, die anderen, die noch mit uns warteten, standen mit kurzen Klamotten in der Kälte. Nicht schön. Wir warteten über ne Stunde auf das Schiff - aber da wir dank Citypass für die Schiffsfahrt nix extra bezahlen mussten, für eine Taxifahrt aber schon, waren wir zu geizig fürs Taxi. Am Tag Null schlenderten wir ausgiebig übers Gelände, inspizierten die angestammten Plätze und ließen es uns gutgehen. Gegen 17 Uhr nahmen wir langsam mal unsere Plätze an der Hauptbühne hinter dem Absperrband ein - sie hatten den Platz direkt vor der Bühne abgesperrt, weil - wir staunten nicht schlecht - Herr Nelson höchstpersönlich das Finishing seines Soundchecks vornahm. Das Publikum begann zu jubeln, aber der Lautsprecher riet: Save your voices, it could be a long night! Nach dem Soundcheck verschwanden er und seine Musiker wieder hinter der Bühne, und Warten war angesagt - denn erst gegen 19 Uhr ging dann das Konzert los. Das Warten wurde aber von der sympathischen kleinen "Louder" Box versüßt, die jemand gebastelt hatte, und die eine Jubelwelle nach der anderen durch die Reihen schickte. Lustiges kleines Ding! Irgendwann war es dann endlich soweit, und das Konzert ging los. Wow, was für ein Spektakel! Prince ist wirklich ein Vollblutmusiker vor dem Herrn - wir waren schwer beeindruckt. Super Performance, Kontakt zum Publikum war auch direkt da, spitzenmäßiger Sound - da stimmte wirklich alles! Nach zweieinhalb Stunden mit diversen Zugaben war es dann leider vorbei, und theoretisch hätte man jetzt auch nach Hause fahren können, denn was Besseres wäre sowieso nicht mehr nachgekommen. Natürlich haben wir das nicht gemacht ;-) Man kann aber sagen, das Sziget Festival teilte sich in diesem Jahr auf in das Prince Konzert und der Rest.
(Von Prince gibts leider keine Videos bei youtube, denn er steht da nicht so drauf und lässt alles sperren...) Am nächsten Tag kamen aber bereits ein weitere Highlights auf uns zu: Das Flogging Molly Konzert zum Beispiel! Zwar nicht ganz so staubig wie vor drei Jahren, trotzdem super Stimmung - Flogging Molly sind einfach auch ne super Liveband.
Leider bekamen wir durch Flogging Molly nur noch die letzten drei Lieder von LaBrassBanda aus Bayern mit, die auf der Weltmusikbühne fast zur gleichen Zeit spielten. Aber diese letzten drei Lieder haben uns gezeigt: Auf ein Konzert von denen müssen wir auch noch mal irgendwann! A super Gaudi! (Video hier - nicht von Sziget, aber damit man mal nen Eindruck kriegt von denen.) Abends fanden wir uns ausnahmsweise vor der Metalbühne ein, die dieses Jahr erstmals Open Air war. Von Within Temptation (Video) bekamen wir noch ein paar Lieder mit... naja... weichgespültes Klischee-Gothic-Metal mit Opernarien halt... Gähn. Bei der Sängerin hat man irgendwie den Eindruck, sie ist eine SozPäd/Hausfrau/Sekretärin, die durch seltsame Zufälle zur Frontfrau einer Band wurde... ich weiß nicht... zu bieder und brav. Nett (in a bad way). Danach spielten Motörhead - muss man mal gesehen haben!
Aber da man Lemmy sowieso kaum versteht, und sich die Lieder dann doch eher alle ähneln, sind wir nach vier Liedern weitergezogen. Sind dann bei der Weltmusikbühne gelandet, wo AfroCubism spielten. Ganz nett (hier wiederum in a good way). Video hier. An diesem Abend war´s schweinekalt. Donnerstags machten wir mittags den obligatorischen Gang zum nahegelegenen Auchan Supermarkt - und waren hocherfreut, als wir dort endlich mal das leckere Soproni Démon - sogar in gekühlt - fanden, was wir schon seit dem Volt Fesztival 2008 kennen & mögen. Der Supermarkt hatte es in den vergangenen Jahren nie da.
Das erste Konzert des Tages war Helloween - hach, war das vielleicht eine Zeitreise zurück in die Metalzeiten der ausgehenden Achtziger! Sogar das Publikum stimmte, die Typen mit engen Stretchjeans und Haaren bis zum Hintern - ich dachte, die wären schon längst ausgestorben. Sehr, sehr witzig! Video!
Danach sind wir dann schonmal Richtung Hauptbühne, um einigermaßen gute Plätze zu bekommen, denn es folgte ein weiteres Highlight des Sziget 2011: Die Chemical Brothers kamen von Outer Space herabgebeamt.
Eine Spitzenshow und die Musik, die man um die Ohren geballert bekam, natürlich vom Feinsten (ich glaube, ich hatte aber vorsichtshalber Ohrstöpsel drin). Auch wenn man die beiden immer nur als Silhouetten hinter dem Mischpult sah, die Stimmung war super. Wiiiiieeeeedääääiioooouuuuuh! Und noch eins, weils so geil ist und ich mich nicht entscheiden kann!
Nach den Chemical Brothers wanderten wir noch zur Amsterdam Klezmer Band (Video) ins Roma Tent, aber wir waren ziemlich fertig und kuckten uns das Ganze nur aus der Distanz an. Freitags ging es konzertemäßig los mit Batucada Sound Machine (klick for se viddeouh) aus Neuseeland. Coole Sache, allerdings war es vor der Hauptbühne eindeutig zu heiß in der prallen Sonne, deshalb setzten wir uns auch wieder in einiger Distanz in die Zen Bar, um das Ganze im Schatten ein wenig zu verfolgen. Ganz coole Band. Konnte uns aber nicht richtig fesseln, und so wanderten wir wieder ein wenig herum und landeten schließlich vor der Europe Stage bei unserem Zelt um die Ecke, wo Killo Killo Banda (Video mit der Musik, leider hat die anscheinend keiner gefilmt auf dem Sziget) aus Serbien spielten, eine Band mit Reggae-Einschlag. Die waren völlig in ihrem Element da auf der Bühne, der Sänger hatte alles total entspannt im Griff, und machten sehr viel Spaß beim Zukucken.
Eigentlich wollten wir gar nicht mehr weg, aber Skunk Anansie spielten auf der Hauptbühne, und ich bestand drauf, dass wir da doch nochmal hinziehen, auch wenn sie schon angefangen hatten. Das hat sich aber mal voll gelohnt! Skin, die charismatische Sängerin, ging ab wie ein Schnitzel! Und nicht nur auf der Bühne, sie brachte die Security ganz schön zum Verzweifeln, als sie nicht nur ein-, sondern mehrmals über die Absperrung kletterte und sich crowdsurfenderweise in die Hände des Publikums begab. (Ja und kuckt, kuckt, kuckt euch das Video an und kuckt was die verrückte kleine Frau da macht!!! Und auch hier - noch eins, weils so gut ist!!!)
Wahnsinn, die Frau! Wie ein kleiner schwarzer Floh hüpfte sie durch die Gegend, machte Scherze und war überall gleichzeitig. Ganz davon abgesehen, dass sie eine Hammer-Stimme hat. Sehr lustig - also falls man mal die Gelegenheit hat, die live zu sehen, sollte man das nicht verpassen! Nach Skunk Anansie schlenderten wir zur Weltmusikbühne rüber, wo Sly & Robbie (leider keine guten Videos auf youtube) spielten. Richtig hängengeblieben im Gedächtnis ist das Konzert bei mir leider nicht... An diesem Abend hatten wir hauptbühnetechnisch nichts Besonderes vor. Später spielten zwar Prodigy, aber die interessierten uns nicht - die waren vor zwei Jahren schon eher "geht so" und Pendulum direkt davor waren um Klassen besser. Deftones hätte noch zur Auswahl gestanden... aber da war unser Interesse auch nur mäßig.
Erstmal schauten wir uns im Afrikanerdörfchen die Show von dem Bellydance-Mädel, das jeden Mittag eine Stunde lang Bellydance-Workshop gab, und ihrer Truppe an. Sie heißt Mercedes Nieto (Video hier - nicht vom Sziget, aber soooo GUT! Unbedingt anschauen!), und ich bin jedes Jahr wieder völlig fasziniert davon, wie toll die Frau beim Tanzen rüberkommt. Sowas Sympathisches! An diesem Abend hatten wir auch endlich mal Zeit, uns das Giant Street Theatre anzukucken, was jeden Abend in der Gegend der Europe Stage stattfand - es war aber halt dieses Jahr echt arg "Kunst"... Pan.optikum mit dem Stück "TRANSITion", eine deutsche Truppe, die irgendwie ausgehend von den alten Griechen bis in die Jetztzeit die Suche der Menschheit nach Menschlichkeit darstellte oder so... naja... ich konnte nicht so viel damit anfangen. Nette Bilder, viel Pyrotechnik, schönes Feuerwerk am Ende. (Video)
Nachdem samstags im Afrikanerdörfchen nicht die süße Mercedes den Bellydance-Workshop leitete, sondern zwei ihrer Schülerinnen, wählten wir uns das Ambient Zelt für unser nachmittägliches gemütliches Abhängen - dort hätte es eigentlich noch nen anderen Bellydance-Workshop geben sollen, den ich mir auch mal angekuckt hätte. Vor Ort war dann aber nur eine Capoeira-Truppe am Hantieren, und die (eher unsympathische) Bellydance-Frau hockte planlos in der Ecke. Wir blieben nicht lange und schlenderten rüber zur Weltmusikbühne, wo ein weiteres Highlight auf uns wartete: Ska Cubano!
Der Name sagt bereits alles. Der Sänger ist ziemlich witzig und hat ne sehr coole Stimme, und wenn Bläser mit auf der Bühne sind, ist das eigentlich fast immer ein Garant für ein super Konzert - bei Ska Cubano war unter den Bläsern sogar eine kleine zarte Japanerin, die ein riesiges Saxophon führte - sehr geil! (Leider nüscht an Szigetvideos zu finden, trotzdem hier ein Video.) Danach wanderten wir wieder rüber zur Hauptbühne, wo wir noch ein bisschen was von der gesangstechnisch ziemlich üblen Kate Nash mitbekamen (Video). Die Kaiser Chiefs danach lieferten konzertmäßig gewohnt gute Qualität. (Das Tolle am Sziget ist: Hier können sogar Leute mit Rollstühlen Crowdsurfing machen! - Video davon hier!)
Zum Konzert des Headliners an diesem Abend stand ich vor einem Dilemma: Geh ich zu 30 Seconds to Mars, die ich letztes Jahr schon verpasst habe und schon immer mal sehen wollte, oder doch lieber zur Goran Bregovic Wedding & Funeral Band, die wesentlich mehr Fun versprach? Für den Zottel war´s keine Frage, und er war schon auf dem Weg zur Weltmusikbühne, während ich noch vor der Hauptbühne ausharrte. Für einen Samstagabend zum Main Act war es vor der Hauptbühne verdammt leer, die Reihen waren so gelichtet, dass man ohne Probleme noch bis auf zehn Meter vor die Bühne herangekommen wäre. Es waren hauptsächlich Mädels im Publikum - bei den Kerlen, die dabei standen, hatte ich so den Eindruck, dass die nur da waren, weil sie von ihren Weibern mitgeschleift worden waren. Ich sag mal: Das Publikum an der Hauptmusikbühne war etwa zu nem Drittel besetzt. Nach drei Liedern begab ich mich dann selbst auch eiligst Richtung Weltmusikbühne, denn 30 Seconds to Mars waren aber mal sowas von grottenschlecht! Die Ausleuchtung auf der Bühne gefiel mir nicht, die Musiker waren überhaupt nicht angestrahlt, so dass man sie nicht richtig sah, der Sänger hörte sich ganz anders an als auf den Studioaufnahmen, und der Kontakt zum Publikum kam auch deshalb nicht zustande, weil Frontmann und Schönling Jared Leto ne Sonnenbrille aufhatte (und ein bisschen aussah wie Falco). (Video - man hört auch: Da sind fast ausschließlich Weiber im Publikum!)
Als er dann beim dritten Song die Musik stoppen ließ und vom Publikum verlangte, sie sollten doch ein bisschen mehr mitmachen, obwohl er das ja selbst in der Hand hatte (aber was will man erwarten, wenn jemand mit Sonnenbrille auf die Bühne kommt, als wär er der absolute Mega-Checker), bin ich dann weg. Der Funke war überhaupt nicht übergesprungen, und ich habe jetzt eher den Eindruck, 30 Seconds to Mars sind ziemlich arrogante Schnösel. Hinterher erfuhr ich dann noch vom Zottel, dass Jared Leto wohl auf seiner Twitter-Seite im Vorfeld rumgeprahlt hatte "by the way - we´re headlining Sziget" (dabei waren sie nur die Notlösung, die kurzfristig noch gebucht wurden, weil Amy Winehouse ausgefallen war). Was für ein Angeber! Headlining Sziget my ass - man vergleiche nur mal Prince und dieses Würstchen!
Auf dem Weg zur Weltmusikbühne sah ich dann auch, wo die ganzen Leute, die vor der Hauptmusikbühne fehlten, abgeblieben waren: Die drängten sich alle bei Goran Bregovic! Ich kämpfte mich bis zu nem recht guten Platz durch, es war eh nicht dran zu denken, den Zottel in diesem Gedränge zu finden, und hatte dann den restlichen Abend zusammen mit dem anderen Publikum sehr meinen Spaß - auch hier wieder: Balkanrhythmen, Bläser auf der Bühne - und da geht der Post ab durch da Decke, um es mit Pavél Popolski (aka Achim Hagemann) zu sagen! Video hier - if you don´t go crazy, you are not normal! (Das Lied ist übrigens ein altes italienisches Partisanenlied aus der kommunistischen Bewegung. Als das Goran Bregovic Konzert vorbei war, skandierten die anwesenden Italiener im Publikum immer wieder "Berlusconi personi beta")
Sonntag... wie immer ist man an diesem Tag etwas wehmütig, weil die Woche schon wieder vorbei ist und man nun wieder ein Jahr darauf warten muss, dass sich die Pforten der Obudai Insel fürs Sziget öffnen... Aber es wartete wieder ein Highlight darauf, diese sentimentale Stimmung ein wenig zu erleichtern: Nach den Mariachi el Bronx (Video), die auch schon recht witzig waren (schauten wir uns auch wieder gemütlich im Schatten von der Zen Bar aus an), stand Gipsy Punk von Gogol Bordello auf dem Plan!
Da war nix mit gemütlich im Schatten gammeln, bei denen muss man vor die Bühne und mithoppeln, denn die gehen richtig gut ab - auch heute wieder. Spitzenband! Video!!! Oh, und - wie geil ist das denn!!! - hier, in diesem Video - sieht man sogar, wenn die Kamera nicht ganz reingezoomt ist, rechts im Publikum einen großen Typen mit knallgrünem T-Shirt und Hut - das ist der Zottel! Und davor die Frau mit dem Pferdeschwanz und dem himbeerfarbenen T-Shirt bin ich! Da stehen wir!!! X-D Und in diesem Video nochmal!
Danach, nachdem wir unseren Flüssigkeitshaushalt wieder ein wenig auf Vordermann gebracht hatten, stellten wir uns an für "Dreher in the Sky", eine Bierbar, die an einem Baukran in schwindelnde Höhen gezogen wird. Wollten wir schon immer mal mitmachen, seit es das auf dem Sziget gibt, hatten es aber bisher noch nie geschafft. Während wir warteten (eine geschlagene Stunde lang) wurde es dunkel, bis wir dann auch endlich zwei freie Plätze ergattert hatten und uns das Sziget von oben bekucken durften - in der Ferne sah man die Budaer Burg, die Fischerbastei, den Gellertberg und das Parlament hell erleuchtet. Direkt nach unten kucken war aufregend ;-)
Die Manic Street Preachers und die White Lies streiften wir so am Rande, denn wir hatten Hunger und mussten noch alles, was wir die ganze Woche noch nicht probiert hatten, jetzt nachholen. Und zum krönenden Abschluss des Sziget gaben wir uns als letztes Konzert wie viele andere das Pannonia Allstars Ska Orchestra, das auch wieder sehr spaßig war. (Video)
Abschließend gibt es noch zu sagen, dass in diesem Jahr wieder erfreulich wenige Deppen unterwegs waren (also Leute, die es für spaßig halten, in einen Plastikbecher zu pinkeln, "magic apple juice" dranzuschreiben und den an den Wegesrand zu stellen und solche Dinge - alles schon erlebt), die Duschsituation war erfreulich entspannt - durch die riesigen Duschzelte mit geschätzt 80 Duschkabinen drinne musste man nie auf eine freie Kabine warten, das Wasser war immer warm und es stand auch keine Plörre mehr unten drinne. Und die Toilettensituation hat sich NOCH mehr verbessert - viele Keramiken, Putzteams, die den ganzen Tag dabeisaßen und immer mal wieder durchwischten, und man hatte zumindest tagsüber sogar meist Klopapier. Abends halt nicht, aber als erprobter Szigetbewohner hat man eh selber welches dabei. Montags ging es dann ins Bikercamp Budapest, einem sehr netten Ort für Motorradfahrer, wo man im Garten zelten und sich erstmal wieder an die Ruhe gewöhnen kann, und wo wir noch zwei Tage blieben, um uns die Stadt noch ein bisschen anzukucken - denn obwohl wir jetzt schon das vierte Jahr (der Zottel sogar schon das fünfte) aufs Sziget fahren, war ich noch nie oben auf der Burg und der Fischerbastei, die Markthalle hatte ich auch noch nicht gesehen, und das obligatorische Einweichen im geliebten Szechenyi-Bad hatten wir auch noch nicht hinter uns! Dort wollten wir auch direkt als Erstes hin, denn wir hatten auf dem Sziget noch zwei Citypass-Bändchen erstanden, mit denen man nicht nur freie Fahrt in den Öffis, sondern auch freien Eintritt in allen Spas und Bädern in der Stadt hat. Blöderweise hatten nicht nur wir die Idee (war ja klar), und als wir dann gegen 17 Uhr endlich am Szechenyi aufschlugen, wartete dort noch eine riesige Schlange anderer Szigetbesucher auf Einlass... Es hätte wohl zu lange gedauert, da reinzukommen, denn offensichtlich war´s voll und die ließen erst wieder Leute rein, wenn wieder freie Schließfächer zu bekommen waren. Ab 19 Uhr hätten die Thermalbäder zugemacht und nur noch das Außenbecken wäre zugänglich gewesen. Deshalb fuhren wir stattdessen doch lieber ins Gellertbad, das andere bekannte, altehrwürdige Bad in Budapest. Das ist leider aber nicht halb so schön, alles sehr verzweigt und verwirrend, Männlein/Weiblein müssen sich getrennt umziehen und haben erst ganz am Ende einen gemeinsamen Bereich, und es ist auch lange nicht so groß wie das Szechenyi - ein warmes Thermalbecken gibt es zwar, aber das ist auch relativ klein und das Gedränge war entsprechend. Naja. Immerhin hatten wir danach endlich unser geliebtes Haggis im Kaledonia, das wie versprochen wieder offen war.
Dienstags lernten wir morgens im Bikercamp ein sehr nettes holländisches Motorradfahrer-Pärchen kennen, und nach einem netten Schwatz machten wir uns dann auf in die Stadt, zunächst ins Szechenyi, um uns schön ausgiebig einweichen zu lassen. Irgendwann waren wir verschrumpelt genug, und fuhren weiter zur Markthalle.
Im Grunde ist das so etwas wie die Frankfurter Kleinmarkthalle, wo man alles an Lebensmitteln bekommt, was man sich so vorstellen kann, nur, dass es hier in Budapest in einer schönen historischen Halle untergebracht ist. Im ersten Stock kann man allen möglichen Nippes kaufen, von bestickten Tischdeckchen über Fabergé-Eier und Matruschkas bis hin zu Kristallglas - und es gibt Stände mit warmem Essen, wo sich der Banker genau so wie der arme Mann einfindet und beide einträchtig ihren Tokajer trinken. Wir hatten an diesem Tag ungefähr denselben Tagesplan wie unsere neuen holländischen Bekannten, und so trafen wir sie bereits zum zweiten Mal an diesem Tag vor der Kleinmarkthalle (das erste Mal hatten wir sie im Szechenyi getroffen). Wir beschlossen, da wir ja eh im Grunde die gleiche Route hatten, den restlichen Tag gemeinsam zu verbringen, besuchten die Burg, die Fischerbastei und das altehrwürdige Café Ruszwurm, das älteste Café in Budapest, und gingen dann abends noch zusammen ins Kaledonia, denn in netter Gesellschaft trinkt es sich noch besser ;-)
Am nächsten Tag stand eine Eisenarsch-Tour an - von Budapest auf direktem Weg, an Prag vorbei, in die Sächsische Schweiz - um die 700 km. Morgens hatten wir uns im Bikercamp noch ein bisserl verquatscht und kamen erst um 12 Uhr los, aber eigentlich war die Fahrt gar nicht so schlimm, bloß dreimal tanken, und wir waren da! Es war tierisch heiß, und wir freuten uns abends nur noch auf ein leckeres Essen und ein Bierchen. Es dämmerte bereits, als wir in Bad Schandau ankamen. Wir verloren relativ viel Zeit, weil wir einen Campingplatz suchten, den ich mir im Vorfeld aus dem Internet rausgeschrieben hatte, und der im hintersten Eck von einer Sackgasse lag, nicht ausgeschildert und fernab von allem anderen... das war uns dann doch ein wenig zu weit weg ab von Schuss, denn wir hatten keine Vorräte dabei, und die Supermärkte hatten schon zu. Was also tun? Nach weiterer erfolgloser Suche nach einer Pension mit freiem Zimmer entschieden wir uns dann dafür, mal ausnahmsweise die eine Nacht im Hotel zu verbringen - nach so einem Tag wäre ein normales Bett und ne saubere Dusche auch mal ganz schön. Mussten uns aber trotzdem noch beeilen, dass wir noch was zu Essen bekommen, denn um halb 9 schließen sämtliche Restaurants dort ihre warme Küche - und wir hatten schon 9 Uhr! Der Italiener gegenüber vom Hotel hatte aber noch warmes Essen und so bekamen wir dann schlussendlich doch noch ne leckere Pizza und ein Bierchen. Donnerstags genossen wir dann erstmal das reichhaltige Frühstücksbuffet im Hotel, bevor wir zu dem Campingplatz in Königstein an der anderen Elbseite übersiedelten, den wir abends zuvor schon von gegenüber aus gesehen hatten. Der erschien uns echt gut, da er in Gehweite von dem S-Bahnhof dort lag und wir gerne auch mal nach Dresden reinfahren wollten, aber ohne Motorräder. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass wir vielleicht doch besser den Campingplatz im Kirnitzschtal genommen hätten, den uns ein Camper beim Italiener am Abend zuvor empfohlen hatte, weil er uns gesehen hatte, wie wir ständig wieder suchend mit unseren Moppeds die Straße auf und ab gefahren waren. Erster Stresspunkt am Campingplatz war - ab 13 Uhr würde die Schranke nicht mehr aufgehen. Also mussten wir mit den Moppeds, nachdem wir den Zeltkram abgelegt hatten, erstmal schnell wieder runter vom Platz, damit wir nicht eingeschlossen werden würden. Wir stellten also unser Zelt auf und machten dann erstmal ein schönes Tourchen mit den Motorrädern durchs Elbsandsteingebirge. Zum Mittagessen fanden wir das Brauhaus in Pirna, wo man echt gut essen konnte, und spannten danach noch meine Kette, die schon bedenklich herunterhing. Danach besuchten wir die Bastei - die war der Grund, weshalb ich unbedingt mal hierher in die Sächsische Schweiz wollte! Eigentlich war sogar Windows der Grund - denn die Bastei gibt es dort als mitgelieferten Desktophintergrund, und ich hatte recherchiert, was das ist und wo es steht, weil es so spektakulär aussieht. War witzig, dann quasi in einem Desktophintergrund herumzulaufen! ;-)
Die nächste Episode spielte sich dann am Campingplatz ab. Wir wollten nochmal kurz da hin, ich weiß nicht mehr wieso. Beim Einchecken hatten wir zwei Karten bekommen, die die Schranke öffnen sollten. Jetzt ist das ja für nen Moppedfahrer so ne Sache - anhalten, Handschuhe aus, Karte rausfieseln, Schranke geht auf, Karte wieder reinfieseln, und durchfahren. Das braucht ein Momentchen Zeit. Wir stellten uns also nebeneinander an die Schranke, damit wir das nicht beide machen mussten, der Zottel fummelte seine Karte raus, Schranke ging hoch, ich fuhr durch - der Zottel brauchte noch den besagten Moment. Die Schranke ging aber blöderweise in der Zwischenzeit wieder runter. Ich fuhr weiter Richtung Parkplatz (natürlich durfte man hier auch NICHT mit den Motorrädern direkt am Zelt parken), und wunderte mich, warum der Kerl immernoch an der Schranke steht und nicht hinterherkommt. Und warum er die Schranke nicht einfach noch mal aufmacht. Also nochmal drehen - vielleicht funktioniert seine Karte nicht mehr, und ich muss jetzt meine benutzen. Hab ich dann versucht, jedoch leider - es piepte, aber die Schranke wollte den Weg nicht freigeben. Nach einer Weile kam dann der sehr pampige und unfreundliche Campingplatzbesitzer an die Schranke und erkundigte sich, was denn los wäre. Statt nach unserer Schilderung zu sagen "oh, das tut mir leid, Sie sind ja offensichtlich Gäste hier, bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, einen Moment, ich mache Ihnen die Schranke auf", motzte er herum, dass er uns da jetzt auch nicht helfen könne, die Karte seien so eingestellt, dass jedes Fahrzeug separat durch die Schranke fahren müsse, weil sie so oft betrogen werden würden, und dass man in ein Parkhaus ja auch nicht so oft reinfahren könne, wie man wolle. Während er mit Nils noch weiter herumpampte, musste ich dann selber zur Rezeption latschen und bekam zwei Münzen, mit denen man die Schranke ebenfalls aufmachen kann. Beschissen.
Abends fuhren wir noch mit einem historischen Personenaufzug in Bad Schandau, den wir am Tag zuvor schon bei der Herfahrt gesehen hatten - das war witzig. Oben gab es ein Gefängnis für Luchse - die Sächsische Schweiz wirbt mit Luchsen und rühmt sich damit, dass es hier wohl noch welche in freier Wildbahn gibt. Hinter dem Gebäude, in dem der eine Luchs lag, gab es wohl noch ein Freigehege und auch noch einen anderen Luchs - das hatte ich nicht gesehen. Also war es wohl nicht nur das eine Mini-Gebäude mit Zementboden und ohne Versteckmöglichkeiten, was man da sah. Aber es war so schon schlimm genug. Man brauchte dem armen Tier nur mal in die Augen zu sehen, um Rilkes "der Panther" in natura gegenüber zu stehen. Jedenfalls wurde ich hier mal wieder überdeutlich daran erinnert, warum ich nicht auf Zoos stehe.
Danach fuhren wir dann noch ins Kirnitzschtal, durch das eine knuffige kleine Straßenbahn fährt. An deren Ende ist ein Wasserfall, der alle halbe Stunde mehr Wasser führt. Das "mehr Wasser" haben wir aber nicht gesehen - war so auch schon schön, auch wenn man in den Kurven mit dem Mopped etwas aufpassen musste wegen der Straßenbahngleise. Wir haben dann dort im Tal noch äußerst lecker im "Forsthaus" zu abend gegessen - hmmm, Reh mit frischen Pfifferlingen und zum Nachtisch frische Blaubeeren! Abends wollten wir auf dem Campingplatz noch ein Bierchen trinken, dessen Kneipe angeblich "lange genug" auf hätte - das Ding machte natürlich um Zehn schon zu, und wir setzten uns mit vier Flaschen wässrigen Lagerbiers, die wir kurz vor Schluss noch erstanden hatten, noch ins Dunkle auf ne Bank ans Ufer und liessen den Tag dort ausklingen.
Freitags sollte das Wetter nicht so dolle werden, und Kultur in Dresden war angesagt. Die Altstadt ist auch wirklich geschichtsträchtig - Semperoper, Frauenkirche, Zwinger, ein Glockenspiel aus echtem Meißener Porzellan - das ist schon echt beeindruckend alles. Das Wetter wurde später dann noch richtig übel, und zu der Zeit saßen wir zum Glück gerade im überdachten Außenbereich eines Restaurants, denn es gab sintflutartige Regenfälle. Nachdem es wieder schön war, fuhren wir noch Richtung Neustadt zum Blauen Wunder (eine Brücke), weil der Zottel unbedingt mal die einzige Schwebebahn nach gleicher Bauart außerhalb Wuppertals sehen wollte - leider schafften wir es nicht mehr rechtzeitig, um noch damit zu fahren. In einer Seitenstraße dort in der Nähe entdeckten wir das Leonhardi-Museum, ein Fachwerkhaus mit ungewöhnlicher Bemalung, auch Hentschelmühle oder "Rote Amsel" genannt. Wir drückten uns die Nasen noch am Schaufenster vom "Pfunds" platt, einer Molkerei mit dem angeblich schönsten Milchladen der Welt (Fotografieren verboten) - war leider auch schon zu, denn wir hatten kurz nach 18 Uhr. In der Dresdener Innenstadt war praktischerweise gerade Stadtfest, und so zog es uns noch zur Hausbrauerei Watzke, wo wir einen standesgemäßen "Goldbroiler" aßen und äußerst süffiges Bier genossen. Oh, und falls sich jemand bei den Fotos (in der Bildergalerie, die noch erstellt werden muss) über die Moschee (ausgerechnet hier!) wundert, das ist eine ehemalige Zigarrenfabrik, die originalgetreu den "richtigen" Moscheen nachempfunden ist.
Hier an dieser Stelle steht dann demnächst auch noch ein Link zur Bildergalerie mit sämtlichen von mir favorisierten Fotos - denn ihr glaubt ja wohl nicht, dass ich in zwei Wochen mit knapp 30 Fotos ausgekommen bin?! ;-P Also - stay tuned! Ich werds wieder auf der Startseite ankündigen dann. | |