| Sziget Fesztivál 2010 - das Jahr des elektrischen Biers So. Nachdem ich jetzt den Kopp wieder ein bisserl frei hab, setz ich mich mal daran, einen Szigetbericht zu schreiben. Erstmal: Wir werden alt! Also ich zumindest werde alt. Das tägliche am-Computer-Sitzen tut meiner körperlichen Fitness nicht grad gut, und so humpelte ich quasi ab dem zweiten Tag Sziget mit Rückenschmerzen und Blasen an den Füßen übers Sziget, wie ne alte Frau! Die Hinfahrt war ein wenig fies, eigentlich wollten wir in Österreich wieder auf den Campingplatz in Steyr, wo wir letztes Jahr schon waren, aber es regnete so schlimm, dass wir nachts in nem Autobahnhotel abstiegen, irgendwo ca. 25 km vor Steyr. Auf der Hinfahrt wurde ich außerdem an jedem einzelnen geschlagenen Tag von Kopping geplagt, und ich Schaf hatte mal wieder nix dabei und musste am Balaton dann in nem Tesco mit Händen und Füßen in der Apotheke Tabletten gegen Migräne ordern. Zum Glück heißt Migräne auf Englisch und Ungarisch auch "migraine" bzw. "migrén", so dass die Mädels einigermaßen verstanden haben, was ich wollte. Ich sollte eigentlich wissen, dass ich nicht ohne Koppingzeug irgendwo hinfahre... Natürlich hatten wir am Balaton aber auch wieder neben dem schönen Campingplatz das "oridschnel" Wiener Schnitzel! Lekker! Montags sind wir zu ner guten Zeit (gegen 14 Uhr) auf der Obudai Insel angekommen. Leider haben wir den Typen mit der 12er GS dieses Jahr nicht wieder getroffen, so dass wir ohne VIP-Pässe auskommen mussten... Schade, schade... Konzertmäßig wars am Tag Minus Eins noch nicht so prall, irgend eine ungarische Band (der Zottel nannte sie immer "der Knispel und der Borz", aber die heißen eigentlich "Kispál es a Borz") hat ihr Abschlusskonzert gegeben, also waren dementsprechend viele Ungarn da. Dienstags war erstmal Einweichen im Szechenyi-Bad angesagt, den Tag wollten wir uns richtig schön machen. Dummerweise hatte der Tag für uns andere Pläne: Wir sind mit dem Boot in die Stadt gefahren, aber waren auf dem falschen Boot – dieses fuhr nicht so weit, wie wir wollten, und so mussten wir mit der Straßenbahn zur U-Bahn Richtung Szechenyi fahren. Wir wussten aber nicht, dass man in Budapest mit einem einmal gelösten Ticket nicht umsteigen darf. Und an der Höllenmaschine, die die dort Ticketautomaten nennen, stand auch nix dergleichen dran. Als wir in die U-Bahn rein sind, standen da zwar zwei Nasen, die uns kontrollierten, aber die waren entweder des Englischs nicht genug mächtig, oder sie dachten sich "Geil, da sind wieder zwei Sziget-Deppen" und informierten ihre Bahnkontrolleur-Kollegen, die uns dann auch gleich in der nächsten U-Bahn abfingen und jeweils 6000 Forint von uns haben wollten. Das sind umgerechnet bisserl mehr als 20 Euro für jeden von uns. Gut, wir sahens sportlich, in Deutschland wärs ja doppelt so teuer, aber trotzdem: Erwischt zu werden, wenn man nicht mal vorhatte, schwarz zu fahren! Naja, dafür war das Einweichen im Szechenyi wie immer gut, und die untergehende Sonne zauberte uns ein wundervolles cremefarbenes Parlamentsgebäude hin, als wir mit dem Boot wieder zurückfuhren. Wunderschön! Leider ohne Kamera :-( Auf der Hauptbühne gabs an Tag Null Reggae. Die Wailers waren auch echt gut, aber als Haupt-Act hatte man sich UB 40 ausgesucht... Das ist ungefähr so, als wenn man an einem Raver-Tag Scooter als Headliner bringt. *augenroll* Aber wie gesagt, die Wailers waren echt gut. Mittwochs gings dann gleich Schlag auf Schlag auf der Hauptbühne. Erstmal ein sehr lusdisches Konzert zu Anfang: GWAR. Blood from the Penis of Hitler!!! Aaaarrrrrrrhhhhh!!!! Muhaha. Wir hielten uns hübsch im Hintergrund, aber es war trotzdem schön anzusehen... *hihi* Hinterher die ganzen Leute mit blutverschmierten T-Shirts waren auch lustig. Muss man mal erlebt haben! Danach die Toy Dolls ("Nelly the Elephant" kennt ihr bestimmt). Dann rockten Ska-P das Haus, und die waren richtig, richtig gut. Und unser Nazi-Papst hat´s auch nicht leicht, hat schon bei GWAR sein Fett wegbekommen, und jetzt bei Ska-P auch... Als Headliner an diesem Tag: Madness! Das war eins der besten Konzerte vom gesamten Sziget. Welcome to the House of Fun! Lustig war, dass dann zweimal ein Mädel versuchte, über die Absperrung zu kommen, und beim zweiten Mal wollten die Madness-Jungs, dass sie auf die Bühne kommt. Sie war dann zwar ne Nervensäge und hatte nix Besseres zu tun, als mit den Titten zu wackeln und obszöne Gesten zu machen, war aber trotzdem eine nette Einlage. Und beim Finale kamen dann auch noch ein paar Leute von Ska-P auf die Bühne, um mitzufeiern. Nice! Donnerstags wars eher ruhig, dafür aber abends auch wieder einer der absoluten Knaller des diesjährigen Sziget: Faithless!!! Da gibts nicht viel dazu zu sagen, die blasen einen einfach weg. Auch hier wieder: Muss man erlebt haben. Freitags dann... ja, da haben wir zum Frühstück mit Bier in ner netten Runde angefangen. Dummerweise platzte mir dann schier der Schädel abends, so dass wir das 30 Seconds to Mars Konzert nicht sehen konnten, was ich wirklich gern gesehen hätte... :-( Ich bin immernoch untröstlich darüber. Die ersten beiden Lieder hab ich noch mitbekommen, bevor ich zum Zelt humpelte, mir zwei Kopfschmerztabletten einwarf und schlafen ging – und die ersten beiden Lieder waren sehr vielversprechend... *schnief* Samstags dann war es der vollste Tag. Dieses Jahr ist das Sziget Fesztival so teuer geworden, dass sich der normalsterbliche Ungar nur noch Tagestickets leisten kann – es waren auch wesentlich weniger Zelte da. Naja, und samstags spielte dann Tankcsapda, die spielen jedes Jahr auf sämtlichen ungarischen Festivals, und da kommen eh alle Ungarn. Und danach dann – Maiden! Klar, dass das viele Leute zieht. Das Maiden-Konzert war gut, die Bühnenshow war auch wieder genial mit den bühnenfüllenden Leinwänden, und Herr Dickinson ein sympathisches Kerlchen wie immer – aber es war insofern etwas ungeschickt, als dass sie viele Lieder aus ihrem neuen Album gespielt haben. Was aber erst den darauffolgenden Montag herauskam... Ist halt schade, wenn die Band lauter Lieder singt, die du noch nicht kennst. Die vielen Leute haben mich ziemlich genervt an diesem Samstag. Ach ja! Vor dem Maiden-Konzert waren wir noch bei unserem ungarischen All-Time-Favourite Sonny and the Wild Cows. Rockabilly at its best! Sonntags war so ein heißer Tag – ich habe noch nie so einen heißen Tag erlebt! Man saß einfach herum im Schatten, und schwitzte sich kaputt, einfach so, ohne was zu tun! Wir ließen es deshalb auch gemütlich angehen. Irgendwann humpelten wir zu Danko Jones an die Hauptbühne. Der war auch wieder gut – Drecks Rock´n Roll halt. Als Headliner spielten abends Muse, und ich glaube, da hat sich jeder Einzelne auf dem ganzen Festival drauf gefreut. Jedenfalls wollten die Leute alle nicht weg vor der Bühne. Und wir wurden nicht enttäuscht – Muse waren der Hammer! Obwohl die nur zu dritt auf der Bühne sind, haben die eine Show abgezogen, die in einer Liga mit Pink Floyd und Tool genannt werden kann. Alle Register gezogen. Fette Bühnenaufbauten, Lasershow, und noch dazu die bombastische Musik, alle drei begnadete Musiker (vor allem der Drummer) – wenn man das Konzert mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es: Opulent. Der absolute Wahnsinn. Schon allein dafür hat es sich gelohnt, aufs Sziget zu fahren. Hach! Krieg ich grad schon wieder Gänsehaut, wenn ich mir "Knights of Cydonia" ankucke! :-)) Anscheinend hatte ich mich sonntags bei der Hitze erkältet. Jedenfalls war die Rückfahrt kein Spaß, und es regnete noch dazu dauernd... Aber die Wespe hat brav mitgemacht, ist also doch ein tolles Mopped! Übrigens haben sie die Duschen wesentlich verbessert aufm Sziget. Letztes Jahr waren das so ein paar wenige, enge Kabinchen, megalange Schlangen davor, kaltes Wasser, und du standest bis zum Knöchel in der Plörre vom Vordermann. Dieses Jahr war es ein riesiges Zelt, warmes Wasser, keine ewigen Schlagen, keine Plörre. Bestens! Was gibts noch zu sagen, außer dass das Bier elektrisch war, sie die Preise saftig erhöht, und die Duschen verbessert haben? Ach ja – sie haben ein paar Bühnen umgestellt, so daß die Jazzbühne direkt bei unserm Zelt umme Ecke war. Das war immer nett, dort nachts noch zum Absacker zu sitzen und zu lauschen. Dafür war unsere Lieblings-Tages-Chillzone, das Afrikadörfchen mit dem Bauchtanzmädel, dem Capoeira und dem lustigen Neescher, diesmal so blöd aufgestellt, dass es dort nirgends mehr schattige Plätze gab, um sich gemütlich das dargebotene Geschehen anzukucken. Sehr schade. | |