Wir sind wieder da! Und hier ist endlich der ausführliche Sziget-Bericht!!!
Es war heiß, es war sehr staubig, die Dixi-Klos haben in Ungarn denselben Charme wie hier, eiskalt duschen macht immer noch keinen Spaß (der Zottel behauptet ja standhaft, er hätte das eine Mal eine dieser mystischen warmen Duschen erwischt, von denen die Legende erzählt), und der Ungar besteht zu 90% aus Wurst! Spaß beiseite, es war klasse!
Auf der Hinfahrt waren wir noch eine Nacht am Balaton – auch sehr schön da! Und haben ein Wiener Schnitzel aus richtigem, echten Kalbfleisch in einem tollen, überdachten Freiluftrestaurant zum sagenhaft günstigen Preis gegessen (zusammen hatten wir mit Vorspeise und Getränken um die 30 Euro). Die Straßen in Ungarn sind allerdings gähnend langweilig. Schnurgeradeaus. Wenn es heiß ist macht das keinen Spaß.
Und das Sziget? Tatsächlich, es war sauberer als andere Festivals. Die Mojitos waren lecker, die Kolbász-Würste waren lecker, Kürtöskalács haben wir natürlich auch wieder gegessen, die Churros gabs auch wieder, unglaublich viele Leute waren da, Poi-Jongleure, allerhand Verrückte... Und die Konzerte? Wers nachvollziehen will, der sollte die Youtube-Videos, die ich verlinkt habe, nicht verpassen!
Iron Maiden!!! Das sind mal noch wirklich ganz Große. Die Bühne noch schön mit altehrwuerdiger Buehnentechnik gestaltet, mit riesigen Leinwänden von den Iron-Maiden-Covern, die immer mal wieder wechselten, und Eddy (fuer Nicht-Fans: das ist das Maskottchen, das auf jedem Cover auftaucht), der auf der Bühne rumlief, und ach, es war jedenfalls echt klasse. Und ich muss feststellen, mann, da hab ich zu meinen Metal-Zeiten aber mal echt was verpasst!!!
Flogging Molly!!! Staubtanz fuer Anfänger und Fortgeschrittene (man beachte die Luft im Video!). Aber sehr gut. Irish Folk mit Punk-Einflüssen. Falls ihr die Dropkick Murphys kennt, oder die alten Pogues: So in der Art.
Kulturshock!! Die waren klasse. Auf der Webseite steht als Beschreibung, und das triffts ziemlich gut: It's Balkan punk rock gypsy metal wedding-meets-riot music from Bulgaria, the US, Japan, and Bosnia.
KaiserChiefs!
Unser alter Kumpel Jay Kay von Jamiroquai! Es war tierisch voll, da waren glaub ich die meisten Tagesgäste da. Aber das Konzert war klasse. Er hat uns aber leider nicht gesehen in der Menge ;-) Das Video, was ich verlinkt habe, ist das Lied, was mir am liebsten in Erinnerung ist von dem Konzert – Little L! War ganz schön kompliziert dazu zu klatschen ;-) (Wer sich wundert, warum wir ständig von "Kumpel" reden - wir hatten Jay Kay im Mai zuvor in Schottland an einem abgelegenen Strand mit seinem Hund getroffen, höchstpersönlich, und er hat uns wegen des Zottels damaliger 12er GS angesprochen.)
Am nächsten Tag haben wir uns zuerst vietnamesisches Puppentheater gesehen, Weltkulturerbe, war toll.
Danach Altan!!! Die waren auch klasse. Irish Folk at its best. Dazu gabs dann auch nen Johnnie Walker (der einzig verfügbare brauchbare Whisky!) drauf geschissen dass es fünfunddreissig Grad waren!!!
Die Ärzte!!! Die Ansagen sind ja sogar auf Englisch gut. Die waren auch klasse, hat total viel Spaß gemacht! Leider haben uns einige ältere Lieder gefehlt, zum Beispiel Radio brennt oder 2000 Mädchen! Aber Schrei aus Liebe hamse gespielt.
Danach waren wir bei Mory Kante (von dem gabs kein Video bei youtube), den Kölnern ist bestimmt noch Yeke Yeke ein Begriff :-) Lustidsch und sehr afrikanisch.
Samstags waren wir im Luminarium (es war nämlich endlich nicht mehr so heiss). Das ist ein Gebäude, das ausieht wie ein riesiger Gummi-Wasserball mit vielen Knubbeln, und drinnen kommt durch farbige Wände total irre Farben zustande. Sehr chillig.
Danach Serj Tankian: Ex-Sänger von System of a Down. Zottel fand den gut und ich weiss grad nicht, was ich dazu sagen soll. Ich mochte den weißen Anzug. Und es war weniger stressig als System of a Down.
REM: Zottel fand sie nett, aber die Mondfinsternis die währenddessen stattfand, fand er besser. Ich fand die ja total klasse. Die haben richtig gerockt, waren gut drauf (ich wusste gar nicht, dass der Sänger, Herr Stipe, so oft lächeln kann, ich kannte den von Fotos immer eher muffelig), und die Bühnenshow war die ausgefeilteste der Sziget-Bands, mit LED-Wänden und special Kameraführung und alles. End of the World hat gefehlt, und Shiny Happy People, aber wie gesagt, die haben gut gerockt.
Danach sind wir direkt zu Maceo Parker gedüst, und es war echt ne Überraschung, wie viele Leute da hingegangen sind! Maceo ist der ehemalige Kopf der kompletten Bläser-Sektion von James Brown, im Moment bei Prince aktiv, and the funkiest Saxophone-Player in the world! Dem Zottel sein bestes Konzert, sacht er. Obwohl wir nix gesehen haben, weil unsere Rücken total alle waren und wir ganz hinten auf ner Wiese saßen.
Nächster Tag war gemütliches Abhängen beim netten Jordaniermann im Shisha-Zelt im Afrikanerdörfchen, wo wir eigentlich immer nachmittags waren, weil dort nämlich wechselnde Leute anderen Leuten was vorzappelten und alle machtens nach. Das war uns in der prallen Sonne zu heftig, aber im Schatten bei einem kühlen Getränk Zukucken war klasse. Es gab ein Samba-und-Capoeira-Mädel, ein Salsamädel, ein Neescher (der Neescher is ja immer fröhlich, weil er sich freut, dass er zuhause immer vorm Löwen wegrennt), und ein Bauchtanzmädel.
Dann Besh O Drom, die waren sehr balkanig und deshalb klasse. Die Band gibts seit zehn Jahren, neun Jahre davon spielense aufm Sziget, sind also quasi die Hausband da.
Und danach dann die Killers, das letzte große Konzert auf der Hauptbühne, schnüff... wir mussten danach unsere Trauer in vielen Mojitos ertraenken.
Wen wir nicht gesehen haben, waren Alanis Morrissette, die olle Ich-bewältige-meine-Vergangenheit-in-einem-Song-Tante, das Heulgesicht Pete Doherty von Babyshambles (aber: sie waren da!!! Wir hatten ja noch unsere Zweifel), die Wombats (verpasst), Adam Green (hat uns nicht interessiert). Carl Cox kam nicht, Ferry Corsten war mir doch nicht so wichtig, Danko Jones hat der Zottel knapp verpasst, ich war zu kaputt und schon im Zelt. Naja, und sicher noch vieles andere, das super gewesen wäre (zum Beispiel hätte ich gerne Justice gesehen), aber man kann ja nicht alles sehen...
Am tollsten fand ich (wenn man da überhaupt ne Auswahl treffen kann) Kulturshock, Jamiroquai, Flogging Molly, die Ärzte und REM.
Am nächsten Tag gab es nochmal gemütliches Chillen und Wieder-Sauber-Werden im Széchenyi-Bad in Budapest, nachdem wir uns im Bikercamp einquartiert hatten, das übrigens eine Oase der Ruhe inmitten der lauten und sehr anstrengenden Stadt ist. Und abends – na? Wo geht man essen, wenn man in Budapest ist (man will ja mal was anderes sehen von der Welt)? Natürlich zum Schotten!!! (Weltklasse mit Haggis gefüllte Hähnchenbrust, Fruit Beer, und der Whisky wurde uns noch nie so stilvoll serviert)!
Von der Rückfahrt will ich am liebsten gar nix erzählen... es war die Hölle! Zunächst mal zwei Stunden für zehn Kilometer gebraucht im Verkehrskollaps von Budapest, Zentimeter um Zentimeter haben wir uns vorwärts gekämpft (ich hatte schon Sternchen vor den Augen), und als wir wieder in Deutschland waren, mitten in der Nacht Regen und ne Stunde lang Unterstellen an ner geschlossenen Tankstelle, und Ankommen um halb 3 nachts, insgesamt fünfzehn Stunden unterwegs gewesen... das wars so im Groben. Don´t remind me of it.